Unterschiede Regelaltersrente, Rente für langjährige Versicherte, Rente für besonders langjährige Versicherte und Rente für Schwerbehinderte
Warum ein Abschlag bei der Altersrente 54 % höher sein kann, als regulär berechnet
Auch im Jahr 2020 ändert sich wieder vieles in der gesetzlichen Rentenversicherung
Wer regulär eine Regelaltersrente oder die „Rente für besonders langjährige Versicherte“ erhalten möchte, muss diese natürlich auch beantragen. Die Rente für besonders langjährige Versicherte wird 2 Jahre vor der Altersrente ohne Abschlag gewährt, wenn die Wartezeit von 45 Jahren erfüllt ist.
Altersrente – Rentenbeginn für Geburtsjahre | ||
Geburtsjahr | Rente f. besonders langjährig Versicherte
Frühester Rentenbeginn ohne Abschlag, wenn |
Eintrittsalter für Regelaltersgrenze |
Geburtsjahr 1957 | 63 Jahre + 10 Monate | 65 Jahre + 11 Monate |
Geburtsjahr 1958 | 64 Jahre | 66 Jahre |
Geburtsjahr 1959 | 64 Jahre + 2 Monate | 66 Jahre + 2 Monate |
Geburtsjahr 1960 | 64 Jahre + 4 Monate | 66 Jahre + 4 Monate |
Geburtsjahr 1961 | 64 Jahre + 6 Monate | 66 Jahre + 6 Monate |
Geburtsjahr 1962 | 64 Jahre + 8 Monat | 66 Jahre + 8 Monate |
Geburtsjahr 1963 | 64 Jahre + 10 Monate | 66 Jahre + 10 Monate |
Geburtsjahr 1964 | 65 Jahre | 67 Jahre |
Die Altersrente für langjährig Versicherte gibt es für Personen, die
mindestens 35 Jahre in der Rentenversicherung zurückgelegt haben.
Die Altersgrenze hängt von Ihrem Geburtsjahr ab.
Rentenabschlag bei Altersrente mit 63 Jahren (Rente mit 63 nach 35 Jahren Wartezeit) |
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Geburtsjahr | Abschlag bei Rentenbeginn mit 63 |
Geburtsjahr 1957 | 10,5 % |
Geburtsjahr 1958 | 10,8 % |
Geburtsjahr 1959 | 11,4 % |
Geburtsjahr 1960 | 12,0 % |
Geburtsjahr 1961 | 12,6 % |
Geburtsjahr 1962 | 13,2 % |
Geburtsjahr 1963 | 13,8 % |
Geburtsjahr 1964 | 14,4 % |
Wer einen Schwerbehindertenausweis mit mindestens 50 % MdB bei Rentenantragstellung besitzt, kann die Altersrente für schwerbehinderte Versicherte beantragen.
Altersrente für schwerbehinderte Menschen
bei Beginn der Rente schwerbehindert und Mindestversicherungszeit (Wartezeit) von 35 Jahren erfüllt |
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Geburtsjahr | Frühester Rentenbeginn mit Abschlag von 10,8 % |
1957 | 60 Jahre + 11 Mon. |
1958 | 61 Jahre |
1959 | 61 Jahre + 2 Mon. |
1960 | 61 Jahre + 4 Mon. |
1961 | 61 Jahre + 6 Mon. |
1962 | 61 Jahre + 8 Mon. |
1963 | 61 Jahre + 10 Mon. |
1964 | 62 Jahre |
WICHTIG!
Der Abschlag wird aufgrund der bisherigen Anwartschaften bis zum tatsächlichen Rentenbeginn in Prozent berechnet. Da von Rentenbeginn „63 bis Regelaltersgrenze“ keine Einzahlung erfolgt, ist der tatsächliche Abschlag in Prozent wesentlich höher.
Beispiel:
Ein Standardrentner, geb. 1961 mit 1 Entgeltpunkt je Versicherungsjahr geht in Rente. Pro Versicherungsjahr erhält der Versicherte also 33,05 Euro Rentenanwartschaft (aktueller Rentenwert seit 1.7.2019).
Wie hoch wären die Rentenansprüche?
Altersrente mit 66 Jahren + 6 Monaten:
(33,05 € * 45 Jahre) |
1.487,25 €* |
Altersrente besonders langjährige Versicherte (64 jahre + 6 Monate):
Altersrente „ohne Abschlag“ 33,05 € * 43 Jahre (2 Jahre geringere Einzahlung) |
1.421,15 €* |
Altersrente für langjährig Versicherte (mit 63 Jahren):
Altersrente mit Abschlag von 12,6 % 33,05 € * (41 Jahre + 6 Monate) * 0,874 % |
1.198,76 €* |
Der tatsächliche Abschlag gegenüber Regelaltersrente wäre somit mtl. Brutto 288,49 € = 19,4 %. Die Rentenwerte sind Bruttowerte. Von dieser Bruttorente sind noch Krankenkassen- Pflegepflichtversicherungsbeiträge und ggf. noch Steuern abzuziehen.
Wer früher in Rente gehen möchte, sollte unbedingt vor der Rentenantragstellung alle wesentlichen Einflussfaktoren auf die Rente prüfen lassen. Hilfreich kann hier ein Rentenberater sein.
Der Rentenberater ist übrigens kein Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung, sondern freiberuflich tätig. Der Rentenberater ist vergleichbar mit einem Steuerberater. Auch ein Steuerberater ist nicht beim Finanzamt beschäftigt. Ein Steuerberater ist hilft seinem Mandanten und gibt auch Tipps zu seiner Steuererklärung.
Ähnlich ist dies bei einem Rentenberater. Der Rentenberater ist ausschließlich für seinen Mandanten zuständig.
Es gibt eine Reihe von Bereichen, die bei einer Rentenantragstellung frühzeitig geprüft werden sollte. So kann beispielsweise ein Schwerbehindertenausweis für Verbesserungen genutzt werden. Auch wenn der Schwerbehindertenausweis nur auf Zeit ausgestellt ist, ist dies lebenslang hilfreich. Fällt die Behinderung nach der Gewährung der Rente weg, dann wird die Altersrente wegen Schwerbehinderung trotzdem weitergezahlt.
Auch in der betrieblichen Altersversorgung gibt es durchaus Auswirkungen in der frühzeitigen Altersrente, die berücksichtigt werden müssen.
So kann die betriebliche Altersversorgung nur bei Vollrente gewährt werden (Beispiel: § 232 VAG). Wer beispielsweise auf 1% Rente verzichtet, damit er den Ehegatten pflegen kann und hierfür auch Rentenbeiträge gut geschrieben bekommt, schränkt die Zahlung der Betriebsrente erheblich ein.
Auch unter dem Aspekt „Hinzuverdienst“ ist die Rente im Auge zu behalten.
Die Hinzuverdienstregelungen sind unterschiedlich gestaltet. Wesentlich spielt hierbei der Rentengrund eine Rolle.
So ist die Hinzuverdienstregelung bei vorgezogener Altersrente anders geregelt, als bei einer Hinterbliebenenversorgung (Rente wegen Todes § 97 SGB VI) . Und selbst bei der Rente wegen Todes gibt es unterschiedliche Regelungen, die auch davon abhängig sind, wann die Ehe geschlossen wurde und wann die beiden Ehepartner geboren wurden.
Auch dies kann bei dem vorzeitigen Alters-Rentenbeginn wichtig sein, wenn der Altersrentner plötzlich verstirbt und ggf. die/der Hinterbliebeneeine Witwenrente bekommt oder vielleicht überhaupt keinen Anspruch hat.
Die Altersrente sollte frühzeitig geplant werden und auch die unterschiedlichen Szenarien mit einem Rentenberater durchgespielt werden.